DER KSK

Der Kunsthistorische Studierendenkongress (KSK) ist die Vollversammlung aller Studierenden der Kunstgeschichte und Kunstwissenschaften im deutschsprachigen Raum.

Manifest

des Kunsthistorischen Studierendenkongresses (KSK)

zur Verwendung von gendergerechter Sprache an kunsthistorischen Instituten im deutschsprachigen Raum

Sehr geehrte Vertreter*innen und Mitarbeiter*innen der kunsthistorischen Institute im deutschsprachigen Raum,

in der Kunstgeschichte und in den Kunstwissenschaften wird gendergerechte Sprache nicht ausreichend genutzt. Wir als der Kunsthistorische Studierendenkongress (KSK) sprechen uns dafür aus, dass flächendeckend eine gendergerechte Sprache etabliert wird, die alle Geschlechter inkludiert. Das beinhaltet selbstverständlich weibliche und männliche Personen, aber u.a. auch trans*, inter*, nonbinary* und agender* Personen.

Während männlich gelesene Personen durch die gängige Verwendung des generischen Maskulinums immer mitgesprochen und mitgedacht werden, ist das bei Menschen anderen Geschlechts nicht der Fall. Alle „mit zu meinen” bedeutet nicht, dass auch alle als “mitgemeint” verstanden werden können oder dass sich Angesprochene selbst als „mitgemeint” verstehen.

Obwohl Universitäten gesetzlich dazu verpflichtet sind, Gleichberechtigung zu bewerkstelligen, geschieht dies in der Realität leider sprachlich nur unzureichend, sodass Personen oder ganze Personengruppen durch Sprachhandlungen exkludiert werden.

Zwar haben sich die meisten Universitäten längst mit dem Thema auseinandergesetzt, es herrscht jedoch noch lange keine gendergerechte und diskriminierungsfreie Sprachkultur an den Universitäten. Es gibt bereits seit 20 Jahren Leitfäden, die die Verwendung gendergerechter Sprache erläutern und die Debatte ist schon seit den 1970er-Jahren aktiv am Laufen.

Viele der von den Universitäten erarbeiteten Leitfäden berücksichtigen beispielsweise ausschließlich die beiden Formen „weiblich” und „männlich”. Das reicht nicht aus. Darüber hinaus wird vorwiegend nur die schriftliche Umsetzung gendergerechter Sprache gefordert, während die gesprochenen bzw. mündlichen Aspekte von den Vorschriften an den Universitäten meist unberührt bleiben.

Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten mit spezifischen Sonderzeichen, neutralen Begriffen oder auch mit grammatischen Umformungen eine gendergerechte Sprache zu verwenden und allgemein die Sensibilität für das Thema zu stärken.

Wir sprechen uns für eine konsequente Nutzung gendergerechter Sprache auf allen Ebenen der Universität aus, um alle Personen unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität gleichermaßen anzusprechen und zu repräsentieren – sowohl in Lehrveranstaltungen und wissenschaftlichen Arbeiten als auch im alltäglichen Umgang – im Schriftlichen wie auch im Mündlichen.

Als Studierende haben wir ein Recht darauf, dass Informationen in der Lehre wissenschaftlich korrekt vermittelt werden. Dazu zählt auch, dass das generische Maskulinum nicht, wie es momentan meist noch immer der Fall ist, wissenschaftlich korrekt verwendet wird.

Wenn bspw. epochenübergreifend von „Künstlern des X. Jh.” gesprochen wird, ist es unmöglich zu erkennen, ob beispielsweise auch von weiblich gelesenen Künstlerinnen die Rede ist. Dass Künstlerinnen* in der Kunstgeschichte aufgrund der patriarchalen Strukturen in der Vergangenheit keinen ausreichend großen Stellenwert hatten und auch heute noch nicht haben, ist spätestens seit Linda Nochlins Essay “Why have there been no great woman artists?” von 1971 bekannt. Durch falsch gewählte Formulierungsweisen wird dieser Irrtum nachträglich unterstützt.

Da es für das gendergerechte Formulieren keine allgemeingültige Regel gibt, möchten wir hier auf Texte hinweisen, die verschiedene Möglichkeiten des gendergerechten Formulierens aufzeigen und erklären.

Für eine einfach Einführung und Informationen in Kurzform bietet sich der Leitfaden der Humboldt-Universität zu Berlin für geschlechtergerechte Sprache oder ein Text zur geschlechterinklusiven Sprache der Universität Wien an.

Für ausführliche Informationen zu gendergerechtem und diskriminierungssensiblem Formulieren lohnt es sich, den Sprachleitfaden der AG Feministisch Sprachhandeln der Humboldt-Universität zu Berlin zu lesen, der auf die sprachliche Vielfalt aufmerksam macht und einzelne Formen erklärt, Anwendungsbeispiele liefert und im Glossar wichtige verbundene Begriffe näherbringt.

Wir weisen darauf hin, dass einige der Leitfäden zu gendergerechter Sprache, die online zu finden sind, teilweise nicht mehr aktuell sind und nicht vollumfänglich als Leitfäden zu diskriminierungssensibler Sprache geeignet sind.

Weil Sprache Handeln und damit eine Möglichkeit zur diskriminierenden Gewaltausübung ist, werden Menschen durch diese unabhängig von der jeweiligen Intention im Rahmen der Verwendung des generischen Maskulinums durch Sprache unterdrückt. Zur Verwendung gendergerechter Sprache kann jede*r eine Meinung haben, aber die Meinungsfreiheit hört dort auf, wo andere diskriminiert werden.

Wenn wir die Sprache ändern, wird sich das Denken ganz von selbst ändern.

Es ist Zeit, dass die Institute und Universitäten Verantwortung für den eigenen Sprachgebrauch und für dessen Auswirkungen auf das gesamtgesellschaftlich vorherrschende Genderbild übernehmen und mit ihren gegebenen Mitteln den Weg in eine Zukunft, in der Gleichstellung und Gerechtigkeit auf allen Ebenen existiert, weisen, wozu sie auch per Gesetz verpflichtet sind.

Wir appellieren an die Universitäten, Institute, Lehrkörper, Angestellten und an die Studierenden, ihren Sprachgebrauch wissenschaftlich zu reflektieren und anzupassen, um immer mit dem Bewusstsein, dass die Gesellschaft von morgen an den Universitäten von heute entscheidend mitgeprägt wird, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Sprache schafft Bewusstsein, vermittelt gesellschaftliche Werte und reproduziert Normen.

Gendergerechte Sprache hat zum Ziel, alle Geschlechter sichtbar zu machen und anzusprechen. Außerdem ist eine präzise und korrekte Sprache wichtig für akkurate Wissenschaft.

Das Ziel ist nicht die Einteilung in „gut” oder „böse”, „richtig” oder „falsch”, sondern inklusiveres, gerechteres und passenderes Sprechen und Schreiben, das entsprechend der jeweiligen Situation und des jeweiligen Kontextes Anwendung findet.

Dafür setzen wir uns als Interessenvertretung der Studierenden der Kunstgeschichte und Kunstwissenschaften innerhalb des deutschsprachigen Raumes ein.

Der Kunsthistorische Studierendenkongress

(die Vertretung aller Studierenden der Kunstgeschichte und Kunstwissenschaften des deutschsprachigen Raumes)

 

Bei Fragen oder Anmerkungen stehen die folgenden Kanäle zur Verfügung:

 

E-Mail: sprecher_innenrat@derksk.org

Instagram: @derksk.offiziell

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Manifest zum Downloaden

 

 

Manifest (Stand Juli 2021)