Call for Paper (English version below):
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Unser Studium ist irgendwie ein bisschen schräg: Es bedeutet Einladung und Ausgrenzung zugleich. Einerseits verlangt Kunst genaues Hinsehen: Unser Forschungsgegenstand kann auch ohne Vorwissen, ohne Texte und ohne akademische Codes berühren. Was für ein Schatz!
Andererseits können es sich nicht alle leisten, diese Einladung der Kunst anzunehmen. Kunst- und Kunstwissenschaften zählen – nach der Medizin und noch vor der Rechtswissenschaft – zu den am wenigsten zugänglichen Studiengängen. (1) Wir als Studierendenschaft sind also überdurchschnittlich stark von einer Herkunft aus einem Akademiker*innenhaushalt geprägt und somit auch die Perspektiven, Teilhabemöglichkeiten und Verständnisse von Kunst, die wir im Studium erlernen und selbst produzieren. Wer bleibt dabei außen vor und durch welche Mechanismen? An welche Vorstellungen von Kunst, an welche Formen des Umgangs mit ihr und an welche Menschen im Kunstbetrieb haben wir uns vielleicht so sehr gewöhnt, dass kaum noch irritiert, wer oder was dabei exkludiert wird? Wie lernen wir? Was lernen wir? Wer lernt mit uns? Auf welches Bild, welche Narrative ist unser Studium angewiesen und was lernen wir dafür eben gerade nicht?
Mit diesen Fragen möchten wir uns auf dem 109. Kunsthistorischen Studierendenkongress vom 6. bis 9. August 2026 in Hamburg unter dem Motto ver_Lernen auseinandersetzen.
Dafür brauchen wir eure Perspektiven, Fragen, Irritationen und Ideen! Habt ihr in letzter Zeit etwas gelernt, oder eben gerade nicht gelernt, das ihr mit euren Kommiliton*innen teilen möchtet? Ausgehend von euren Erfahrungen und Beobachtungen wollen wir den bestehenden Kanon kritisch betrachten und kunsthistorische Narrative hinterfragen. Gemeinsam möchten wir neue Lesarten von Kunst,
(Kunst-) Geschichte sowie ihren Institutionen entwickeln – etwa durch feministische oder dekoloniale Ansätze.
Wir suchen Beiträge, die das Motto aufgreifen und reflektieren. Denkbar sind Vorträge zu kuratorischen Praktiken, kultureller Teilhabe oder zu Formen der Speicherung von Wissen. Für wen werden eigentlich Ausstellungen gemacht? Welche Werke und Geschichten werden erzählt – und welche nicht? Welche Potenziale liegen in Provenienzforschung, Erinnerungskulturen oder Archivierungspraktiken? Wie lassen sich Machtstrukturen in musealen und akademischen Kontexten sichtbar machen und neu denken? Fallen euch Kunstwerke ein, die sich dezidiert mit dem Lernen beschäftigen? Ist Protestkunst vielleicht eine Form des ver_Lernens? Welche Kunst widersetzt sich leise oder laut erlernten Ordnungen? Wo ergeben sich widerständige Lesarten? Wir sind auch gespannt auf Ansätze, die das Lernen einer künstlichen Intelligenz kritisch unter die Lupe nehmen. Was wird reproduziert und was geht verloren? Und schließlich: Was erschwert unser Lernen? Wie lassen sich barrierearme oder barrierefreie Lernräume gestalten? Welche Rolle spielen dabei Kategorien wie race, class und gender und wo entstehen Be_Hinderungen? Wenn wir fragen, welche Perspektiven bisher fehlen oder marginalisiert werden, können dann vermeintliche Selbstverständlichkeiten ins Wanken geraten?
Als Ort des Austauschs, des gemeinsamen Lernens und ver_Lernens möchten wir mit euch die Kunst, ihre Geschichtsschreibung, Methoden und Theorien, und ebenso ihre politische Verantwortung über- und neudenken. Beim Kunsthistorischen Studierendenkongress habt ihr die Möglichkeit, eure Ideen weiterzuentwickeln, zu diskutieren und Thesen in einem möglichst hierarchiefreien Raum zu erproben. Habt ihr Lust, den KSK als eine Plattform des ver_Lernens mitzugestalten?
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Dann schickt uns eine Idee für einen Beitrag auf Deutsch oder auf Englisch bis zum 10.05.2026 per Mail an: 109.ksk.hamburg@derksk.de. Voraussetzung ist, dass ihr Kunstgeschichte, Kunst oder aber auch ein anderes Fach studiert, in dem ihr euch mit Kunst, visuellen Kulturen oder bildbezogenen Fragestellungen beschäftigt.
Neben Vorträgen sind auch Workshopideen, Ausstellungsführungen durch Hamburger Museen oder unkonventionellere Formate herzlich willkommen! Für einen Vortrag habt ihr auf dem KSK 15 Minuten Zeit; für einen Workshop 90 Minuten. Euer Konzept sollte nicht länger als eine Seite sein und auch ein paar Infos zu euch beinhalten.
Meldet euch gern jederzeit, falls Fragen aufkommen.
Wir freuen uns auf eure Bewerbungen und darauf, gemeinsam zu ver_Lernen!
1) Vgl. Kroher, Martina et al.: Die Studierendenbefragung in Deutschland: 22. Sozialerhebung. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2021, hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Berlin 2023, S. 30.
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Call for Paper (English version)
Our degree programme is, in a way, a bit of an oddity: it represents both an invitation and a form of exclusion. On the one hand, art demands close observation: our subject of study can move us even without prior knowledge, without literature, and without academic codes. What a treasure!
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Unfortunately, on the other hand, not everyone can afford to accept this invitation for participation. Art and art history – after medicine and even before law – are among the least accessible degree programmes.(1) As students, we are therefore disproportionately shaped by academic family backgrounds, and so too are the perspectives, modes of participation, and understandings of art that we learn and reproduce. Who remains excluded and through which mechanisms? To which notions of art, which ways of engaging with it, and which actors within the art world have we become so accustomed to that we barely question who or what is being excluded? How do we learn? What do we learn? Who learns with us? On which image, which narratives does our course of study rely, and what, precisely, do we fail to learn as a result?
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We would like to explore these questions at the 109th Art History Students’ Congress,
taking place from 6 to 9 August 2026 in Hamburg under the motto ver_Lernen (un_learning).
To do this, we need your perspectives, questions, concerns and ideas! Have you learnt something recently – or specifically not learnt something – that you would like to share with your fellow students? Drawing on your experiences and observations, we aim to critically examine the existing canon and question art historical narratives. Together, we want to develop new ways of interpreting art, (art) history, and its institutions – for example, through feminist or decolonial approaches.
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We are seeking contributions that engage with and reflect on the conference theme. Possible topics include curatorial practices, cultural participation, or forms of preserving knowledge. Who are exhibitions actually made for? Which works and stories are discussed – and which are not? What potential lies in provenance research, cultural memory, or archival practices? How can power structures in museums and academia be made visible and reimagined? Can you think of artworks that explicitly deal with learning? Is protest art perhaps a form of un_learning? What types of art quietly or loudly resists established orders? Where do resistant readings emerge? We are also interested in approaches that critically examine how Artificial Intelligence learns. What is reproduced and what is lost? And finally: What hinders our learning? How can we design accessible or barrier-free learning spaces? What role do categories such as race, class and gender play in this, and where do barriers arise? If we question which perspectives have been missing or marginalized, can supposedly self-evident assumptions begin to falter?
As a space for exchange, shared learning and un_learning, we would like to rethink and reimagine art, its historiography, methods and theories, as well as its political responsibility, together with you. At the Kunsthistorischer Studierendenkongress (Art History Students’ Congress), you will have the opportunity to develop your ideas further, discuss them and test out your theses in a space that aims to be as non-hierarchical as possible. You would like to help shape the KSK as a platform for un_learning?
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Please send us your proposal for a contribution in German or English by 10 May 2026 via email to: 109.ksk.hamburg@derksk.de. The prerequisite is that you are studying art history, art, or another subject in which you engage with art, visual cultures, or image-related questions.
Aside from presentations, we warmly welcome ideas for workshops, guided tours of Hamburg’s museums or more unconventional formats! Presentations are scheduled for 15 minutes; workshops for 90 minutes.
Your proposal should be no longer than one page and should also include a brief introduction
about yourself.
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Please feel free to contact us at any time if you have any questions.
We look forward to your submissions and to un_learning together!
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(1) cf. Kroher, Martina et al.: Die Studierendenbefragung in Deutschland: 22. Sozialerhebung. Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2021, hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Berlin 2023, p. 30.